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Ride of Silence - 20. Mai 2015, 19 Uhr - weltweit

16.05.2015 – Für ein sicheres Miteinander auf den Straßen findet seit 2003 jährlich der Ride of Silence statt. Bei dieser stillen Fahrt gedenken Fahrradfahrer auf der ganzen Welt ihrer im Straßenverkehr verunglückten Freunde, Kollegen, Mitmenschen. Immer am 20. Mai, 19 Uhr wird gemahnt, besser auf Radler zu achten, ähnlich dem Grundsatz "Wir sind Verkehr" der Critical Mass. Wir sehen uns dabei nicht als Autogegner. Radfahrer entlasten den Stadtverkehr von Stau und Stillstand. Initiiert von Daniel Doerk [it started with a fight] schließen sich 2015 erstmalig auch zahlreiche Gruppen aus Deutschland an.

Am 4. Mai 2003 kommt Larry Schwartz ums Leben. Der Spiegel eines Schulbusses wurde dem Alltagsradler aus Dallas, Texas zum Verhängnis. Auf seiner Beerdigung beschließen Freunde, ihm und anderen Verkehrsopfern eine gemeinsame Fahrradtour zu widmen. Per E-Mail laden sie formlos ein und lösen damit eine Welle der Anteilnahme aus. Es sind schließlich zirka 1.000 Fahrradfahrer, die sich am 21. Mai 2003 zusammenfinden und ihrer im Straßenverkehr getöteten Freunde, Kollegen und Bekannten gedenken. Chris Phelan, schreibt in seinem Nachbericht

“[…] Ten days in the making, The Ride Of Silence came together at White Rock Lake’s Tee Pee Hill paddle boats, under the banner of remembering those that have been killed on the roads. Though the ride was inspired by the most recent death of endurance cyclist Larry Schwartz, it welcomed runners and anyone else who shares the road, and therefore risks life and limb, with motorists. […]

A flurry of e-mails went out beginning May 12 announcing the chance for all that share the road with motorists, to come together to speak volumes in silence; to gather and ride, instead of with speed, and noise, to ride with restraint and silence. There would be no registration, no fee, no sponsors. There would be, simple, a ride in silence. […]

And then it started. Mountain bikes, tri-bikes, roadies, tandems, and recumbents. An older man riding a traditional bike with red high tops. In a deafening silence, all began rolling clockwise around the 10 mile loop, with most wearing black arm band to memorialize those that have fallen, and red arm bands for those that have either been injured or harassed by a motorist. The air became thick with emotion, as once steely competitors remembered those that have died doing something they loved, or remembered how close they had come to death on a past ride. One man was crying; several were moist with sadness. The rest wore sunglasses. In silence, they rode as one, remembering those that have gone before, themselves, and each other. […]

People on the sides on the road, stopped. You could see them whisper to each other. They knew something significant was happening, but weren’t sure what. They were used to seeing large packs of 20 or so cyclists hammering along this popular lake, yelling out commands, with abandon and disregard for any spectators on the roadside. But this was different. These cyclists said nothing. There was a complete and enormously powerful silence that gripped hearts and emotion. There speed of such restraint, it immediately told any bystander that something was being said, that a statement was being made. […]

Toward the end, before the ride ended, a yellow shirt was spotted on the back of a rider. In memory of Schwartz, in said it all. “Life is short. Ride far.” At the paddle boats, the riders hugged and comforted each other, thanking one another for being there this day and on other rides past and future. Hands shaking, smiles and hugs were easy and freely given out. Larrry Schwartz did not die in vain. Hardly. “He’d be smiling down us right now,” said cyclist Keith Hester.”

Quelle: Ride of Silence – History

In Deutschland stirbt ein Radfahrer pro Tag

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2013 insgesamt 2.414.011 Unfälle polizeilich erfasst. 77.439 der 561.504 Unfallbeteiligten waren Fahrradfahrer (14 %). Das heißt, pro Tag passierten in Deutschland 212 Vorfälle, bei denen Radler betroffen waren.

291.105 aller Unfälle führten 2013 zu einem Personenschaden. 374.142 Verkehrsteilnehmer verletzten sich. 3.339 verstarben innerhalb von 30 Tagen nach dem Zusammenstoß. 354 (11%) davon waren mit dem Fahrrad unterwegs als das Unglück geschah. 557 Fußgänger (17%). 1.588 der Unfalltoten (48%) saßen in Personenkraftwägen.

Quellen: Statistisches Bundesamt [abgerufen 16.05.2015]

Fehler beim Abbiegen (58.156), zu hohe Geschwindigkeit (45.868), zu geringer Abstand (49.505) und Vorfahrtsfehler (53.930) gehörten laut Osnabrücker Zeitung zu den häufigsten Ursachen für Unfälle, bei denen Menschen verwundet oder getötet wurden.

354 Radfahrer 2013. 405 tödlich verunglückte Radfahrer 2014. Das ist mehr als ein Fahrradfahrer pro Tag.

Quelle: Osnabrücker Zeitung [18.05.2015]

Selbst wenn wir sie in Relation setzen – Zahlen bleiben abstrakt. Daher hat mich der Blogbeitrag 12 von 12 im Mai von Patricia dasnuf Cammarata am Dienstag tief berührt. Sie schreibt:

“[…] Heute ist Fahrradwetter. Es ist mir diesen Frühling sehr schwer gefallen, nachdem meine Freundin letztes Jahr tödlich verunglückt ist, wieder auf das Fahrrad zu steigen. Ich denke immer noch täglich an sie. Wir sind oft zusammen in die Arbeit gefahren und ich kann gar nicht sagen, wie sehr sie mir fehlt. Sie ist in jeder Ecke der Stadt, in jedem Winkel des Büros und in jeder Frage meines Lebens, über die ich gerne mit ihr gesprochen hätte.

Gerade heute fällt mir wieder auf, wie krass die einzelnen Verkehrsteilnehmer im Konflikt zueinander stehen. Die Fußgänger hassen die Radfahrer, die Radfahrer die Autofahrer, die Autofahrer die Radfahrer. Mein Blickwinkel hat sich deutlich verändert und ich wünschte mir, es gäbe mehr Rücksicht und Verständnis füreinander.

Ich bringe Kind 3.0 in den Kindergarten. Es quatscht ohne Unterbrechung und sehr fröhlich von hinten am Kindersitz. “Wohnst du lieber in einem Loch, am Baum oder in der Luft? Hast du ein Fell, Federn oder bist du nakisch? Bist du lieber schnell, lamsam oder kannst fliegen…” Meine Antworten ergeben: Ich bin eine Ranunkel. Unerwartet – aber hey…

Wir müssen warten bis der Kindergarten öffnet. Wir fahren sonst Tram und das dauert wesentlich länger. […]”


Foto: “Also auf nach Hause. In 40 min habe ich meine nächste Verabredung. Vorbei an der schönen Fahrradampel mit dem Herzchen, über die ich mich jedes Mal wieder freue.” Patricia Cammarata, 9 von 12

Das Radfahrer-Paradoxon

Wird dies also ein Blogbeitrag, der vor dem Radfahren warnt? Nein, auch wenn es kontraproduktiv erscheinen mag, mehr Menschen zum Fahrradfahren zu animieren. Genau das Gegenteil des vermeintlich kausalen Zusammenhangs “Mehr Fahrradfahrer – mehr Unfälle” ist der Fall: Fahrradfahren wird sicherer, je mehr Menschen Radfahren. Denn je höher der Radverkehrsanteil, desto eher rechnen wir im Straßenverkehr mit Radlern. Desto normaler wird es (wieder), dass Fahrräder Stadtbild sind.

Und wie so oft spielen für das Miteinander Kultur und Infrastruktur ineinander. Das habe ich in meinem Blogbeitrag FAHRRADkultur – Für ein Miteinander auf der Straße schon einmal aufgegriffen, erinnere an dieser Stelle aber noch mal dran.

Ich wünsche mir das Miteinander sehr. Es würde die Lebensqualität aller erhöhen. Und dann müssen wir hoffentlich weniger Unfallopfer betrauern und es stünden weniger der weißen Geisterräder in unseren Städten.

Ride of Silence in Deutschland

Vielen Dank an Daniel Doerk, der den Ride of Silence nach Deutschland geholt hat. Via it started with a fight… schrieb er Ende April:

“Leider sind auch hier im vergangenen Jahr drei Radfahrer ums Leben gekommen. An diese und die vielen Radfahrerinnen und Radfahrer, deren Leben sich durch einen Unfall für immer verändert haben, wollen wir auf einer ca. 8 Kilometer langen Tour um die Osnabrücker Innenstadt erinnern. Die Route führt dabei an sechs Orten vorbei, an denen in den vergangenen Jahren Radfahrer ums Leben gekommen sind.”

Uwe Schmidt, Vorsitzender des ADFC Osnabrück und Mitveranstalter beim Ride of Silence Osnabrück, ergänzt im Interview für die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ):

„Wir möchten hier als ADFC unsere Anteilnahme deutlich machen und zeigen, dass diese Menschen keine blanken Zahlen in einer Unfallstatistik sind. Jeder tödlich verunglückte Verkehrsteilnehmer ist einer zu viel.“


Foto: Geisterrad in Berlin von Bukk via Wikipedia

Daniels Aufruf sind mittlerweile zahlreiche Akteure und Verbände aus ganz Deutschland gefolgt. Die stille Fahrt beginnt am kommenden Mittwoch (20.05.) jeweils 19:00 Uhr. Die Treffpunkte – sofern mir bekannt – sind wie folgt:

Ich entschuldige mich für die vielen Facebook-Links.

Die allgemeine Bitte lautet: weiße Kleidung anziehen, mindestens ein weißes T-Shirt, Hemd oder Bluse. Während der Fahrt bitten wir um Stille. Darüber hinaus gelten die Regeln analog zur Critical Mass.

Du möchtest an Deinem Ort ebenfalls einen Ride of Silence anmelden? Melde Dich bei Daniel. Er hat vom Organisator Mark Hagar die Poster-Vorlage bekommen, übersetzt und angepasst. Diese leitet er gern an Interessierte weiter.

Hashtag zur Veranstaltung ist #RideOfSilence. Das internationale Team twittert via @RideOfSilence.

Ride of Silence international

295 Ride of Silence wurden von der zentralen Organisation in Dallas bestätigt. Menschen aus Australien, Brasilien, Canada, China, Deutschland, Hong Kong, Israel, Italien, dem Libanon, Mexico, den Philippinen, Rumänien, Singapore, Süd-Africa, Schweden, der Ukraine, den USA und Zypern radeln mit.

Weitere Informationen findest Du unter www.RideOfSilence.org. Hier werden auch alle Rides weltweit angekündigt.


Quelle: World Map Ride of Silence 2015

Ein gesundes und glückliches Radl-Jahr wünscht Dir,

Über Ride of Silence haben auch gebloggt

Einen herzlichen Gruß an meine Blogkollegen, die ebenso den Aufruf verbreiten:

Du hast auch gebloggt und fehlst hier in der Liste? Bitte lass es mich gern wissen. Danke.

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